| Zwei Wochen Ostsee |
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Ein Bericht mit vielen Bildern über einen Segeltörn mit unseren Charterschiffen Paule und La Digue. Greifswalder Bodden, Rügen, Bornholm, Erbseninseln und Schweden vom 14. bis 28.07.2007 Die Route:
14.07.2007 - Nun war es wieder so weit: Die zwei Yachten, die Paule und die La Digue beladen und ab aufs Wasser…
Am Samstag, Spätnachmittag geht es los, quer über den Greifswalder Bodden nach Gager. Der Hafen von Gager ist sehr voll und wir müssen im Päckchen (Boot an Boot nebeneinander) liegen. Der kleine Hafen ist sehr ruhig und die Landschaft ist wunderschön. Ein Spaziergang lohnt sich!
Für Sonntag planen wir einen etwas längeren Schlag: Um Rügens Ostkap (Südperd und Nordperd) herum, an Selin, Binz, Sassnitz und den Kreidefelsen vorbei bis nach Lohme. Unterwegs hängen wir uns an eine Konstruktion aus Spibaum und Spifall außenbords und lassen uns durchs Wasserschleifen lassen. Lohme liegt direkt an der Steilküste der Kreidefelsen. Um in den Ort zu kommen, muss man erst über die lange Treppe die Steilküste hinauf steigen. Weit mehr jedoch als ein Dorfspaziergang lohnt sich eine Wanderung an den Kreidefelsen vorbei und hoch zum Königsstuhl, um dort die schöne Aussicht auf das Meer zu genießen.
Da der Wetterbericht ungünstige Winde für die Überfahrt nach Bornholm vorhergesagt hat, entschließen wir uns als Nächstes nach Glowe zu segeln. Es ist wie vorhergesagt, der Wind bläst stetig aus Ost bis Nordost. Für die Überfahrt würde das bedeuteten: Ca. 36 Stunden ununterbrochen gegenan kreuzen. Da ist’s allemal besser sich noch einen Tag mit dem Boot und seinen Fahreigenschaften vertraut zu machen. Die kurze Strecke nach Glowe eignet sich bestens dafür. Im Hafen von Glowe können wir uns noch gut auf die Überfahrt nach Rönne (Bornholm) vorbereiten.
Um 3:15 Uhr klingelt der Wecker. Als ich jedoch nach draußen schaue, sieht es schlecht aus. Noch ist das Wetter zwar schön, aber rundherum, über den Kreidefelsen, Rügens Inland, Kap Arkona und der See, braut sich was zusammen. Also schnell wieder in die Koje und noch zwei Stunden schlafen. Mittags entschließen wir uns dann, doch nach Sassnitz zu segeln. Sassnitz ist ein schöner alter Fischereihafen und daher für Yachten nicht so geeignet.
Es ist genau 05:25 Uhr als die letzte Leine zum Land gelöst wird! Kurz nach dem Passieren der Hafenausfahrt gehen wir auf Kurs 035° Richtung Rönne auf Bornholm. Die Kreidefelsen leuchten wunderschön im Morgenlicht. Doch schon bald geraten sie außer Sichtweite. Wir bekommen ein bisschen Wind und können die Segel setzen. Später machen alle, die mal eine super Aussicht auf das weite Meer von oben haben wollen, einen Ausflug zur Mastspitze. Die Aussicht ist atemberaubend: überall Blau, glitzerndes Wasser und nur in der weiten Ferne ein Boot, das uns davon düst. Das ist die Paule, sie hat einen Spinnaker und ist deshalb viel schneller als wir. Wenn der Wind mal nicht von Achtern (hinten) kommt, werden wir die Paule locker überholen…Die werden sich noch wundern!
Bald erreichen wir dann auch endlich nach 11 Stunden Fahrt Rönne. Die Anderen sind schon seit fast zwei Stunden da und haben einen kleinen Landgang gemacht. Am Abend gehen wir in Rönne dänisch-italienisch Essen. Rönne ist eine Fähr- und Industriestadt und deshalb ist der Yachthafen auch eher einfach gehalten. Die meisten Yachten fahren in den 1,5 Seemeilen entfernten Yachthafen Nörrekas. Wer es nicht so weit bis in die Innenstadt haben möchte, sollte jedoch direkt nach Rönne fahren.
Am Donnerstag geht es um das Kap nach Tejn. Wir haben perfekten Wind (um die 15 Knoten) und schon die Hafenausfahrt ist ein Erlebnis, denn bei Südwestwind dieser Stärke steht Schwell in der Hafenausfahrt mit Wellen bis zu 2,50 m. Wir stampfen voll gegenan und bekommen bei fast jeder Welle eine Dusche. Die Küste ist felsig. Es gibt einige landschaftlich sehr schön gelegene Häfen an der Küste, aber wir wollen weiter - um das Kap herum an dem Touristenort Allinge vorbeibis nach Tejn. Wir nutzen den Kapeffekt, der uns mit noch mehr Wind ganz schnell in den Hafen von Tejn schiebt. Von Tejn aus mache ich einen kleinen Ausflug mit dem Dinghi. Ich fahre an der felsigen Küste entlang und mache hier und da einen kurzen Stopp. Unter anderem finde ich einen kleinen Fjord, in den es sich bequem ca. 50 m mit dem Dinghi hineinfahren lässt. Er ist höchstens vier Meter breit, aber bestimmt 4 bis 5 Meter tief und rechts und links begrenzt von hohen Felsen. Diese Küste lässt sich genauso gut zu Fuß erkunden. Auch bis nach Allinge ist es nicht weit.
Nun wollen wir nach Christiansö segeln, das ist nicht so weit (nur ca. 14 Seemeilen). Bevor es los geht müssen wir jedoch noch Lebensmittel, Frischwasser und Diesel bunkern. Doch auch das ist schnell erledigt und los geht’s, aufs Wasser. Die Paule will wieder ihren Spinnaker setzen. Wir haben allerdings so wenig Wind, das selbst der Spi einfällt. Also ist motoren angesagt. Gegen 14:00 Uhr bekommen wir wieder Wind, aber diesmal nicht von hinten. Wir müssen kreuzen und die Paule kann keinen Spi setzen. Schon nach kurzer Zeit haben wir sie abgehängt. Das Wetter ist herrlich, man hat das Gefühl irgendwo im Mittelmeer zu segeln.
Da wir relativ früh in Christiansö ankommen, können wir nachmittags noch die Insel erkunden. Christiansö ist die größte Insel von den so genannten Erbseninseln. Die Erbseninseln liegen etwas nördlich über Bornholm. Die Erbseninseln bestehen aus drei größeren Inseln und vielen kleinen Felseninseln. Zwei der etwas größeren Inseln, Christiansö und Frederiksö sind bewohnt. Alle anderen Inselchen sind Naturschutzgebiet. Christiansö und Frederiksö (beide durch eine kleine Brücke verbunden) gehörten früher dem dänischen Millitär. Heute sind sie fast ausschließlich von Fischern bewohnt. Die Inseln haben, besonders bei gutem Wetter, einen sehr südlichen Charakter. Obwohl die beiden Inseln so klein sind, dass man sie innerhalb von 20 Minuten locker zu Fuß umrunden kann, gibt es wahnsinnig viel zu entdecken. Für mich waren die Erbseninseln eine der schönsten Stationen. Sie dürfen auf einem Törn in diesem Revier auf gar keinem Fall fehlen.
Am Abend erreicht uns noch eine nicht so schöne Nachricht: Bernard, der Skipper der Paule, muss nach Hause fahren. Es beginnt die Suche nach einem Ersatzskipper. Glücklicherweise werden wir schnell fündig. Dieter Pfister kommt aus Düsseldorf nach Trelleborg (schwedische Südküste). Die Paule fährt also am nächsten Tag nach Schweden, um rechtzeitig in Trelleborg zu sein. Wir trennen uns also, denn wir wollen noch etwas weiter nach Norden.
Mit achterlichem Wind verlassen wir die Erbseninseln und segeln quer durch das Verkehrstrennungsgebiet (Autobahn auf See), wo wir den Kurs vieler großer Schiffe kreuzen, nach Simrishamn (Schweden). Der Hafen und der Ort sind nicht unbedingt ein Muss auf einem Törn. Die Strand- und Felsküste, von See aus kommend direkt rechts neben dem Hafen, ist wiederum sehr reizvoll. Die Wettervorhersage sagt nichts Gutes: 22.07.07, Ost auffrischend 7-8 Bft. (Windstärken), Gewitterböen möglich bis 9 Bft. Das bedeutet Hafentag. Am späten Vormittag fängt es dann schon an zu kacheln. Eine Stunde später mischt sich auch noch Regen in den Sturm. Es regnet und windet den ganzen Tag und die ganze Nacht. Erst früh morgens hört es auf zu regnen. So starken, so lange anhaltenden Regen habe ich noch nie erlebt!
Am späten Nachmittag packen wir uns noch in unser Ölzeug ein und laufen zur Mole, um von dort einen Blick auf die „brüllende“ See zu werfen. Die Brecher klatschen nur so gegen die Steine. Jakob und ich wagen einen gefährlichen Test des Ölzeugs. Die Brecher spülen uns fast von der Mole. Wer wird gewinnen? Musto oder A.W.N.? Selbst nach einer halben Stunde bin ich noch kein Bisschen nass, während bei Jakob schon gar kein Wasser mehr rein passt, soviel ist schon drin. Klarer Sieg für Musto. Die Investition hat sich gelohnt.
Am nächsten Morgen hat es endlich aufgehört zu regnen und die Sonne scheint. Sofort bekommt man wieder das Gefühl, dass es wirklich Sommer ist! Da der Wind leider immer noch zu stark ist um auszulaufen, erforschen wir die nähere Umgebung von Simrishamn. Wir gehen den roten Sandstrand entlang und lernen die idyllische schwedische Landschaft kennen. So langsam nimmt am späten Nachmittag auch der Wind ab und die Chancen stehen gut, dass wir morgen weiter können. Und so ist es auch. Die See erwartet uns. Früh morgens stechen wir in See und segeln mit gutem Wind an Schwedens Südküste entlang bis nach Gislövsläge. Das ist ein kleiner Ort vor der großen Fährstadt Trelleborg. Der Hafen von Gislövsläge ist sehr hübsch, sein einziger Nachteil: es riecht oft, um nicht zu sagen es stinkt. Ob der Gestank nur von dem Seetank am Strand kommt oder ob es Abwässer aus dem Ort sind, wollen wir gar nicht genauer wissen.
Leider erwartet uns schon wieder ein Hafentag, der dritte. Übernacht fängt es an zu stürmen. Glücklicherweise braucht man zu Fuß nur cirka eine Stunde bis nach Trelleborg. Es ist ein schöner Fußmarsch und es lohnt sich Trelleborg anzuschauen.
05:30 Uhr, Segel setzen und hinaus auf die „brüllende See“. Um 14:08 kommt der Ruf „Land in Sicht“! Wir sind wieder in deutschen Gewässern, doch bis wir unser Ziel erreichen dauert es noch ein paar Stunden. In der Abendsonne erreichen wir das Festland und laufen in eine der komfortabelsten Marinas im Ostseeraum ein, Marina Kröslin.
Wir genießen den vorletzten Abend an Bord, denn morgen geht es leider schon wieder zurück in den Heimathafen der La Digue, nach Wiek (Greifswald). Den letzten Segeltag gehen wir ganz ruhig an. Am späten Vormittag machen wir uns fertig für das letzte Stückchen bis zum Heimathafen. Der Wind weht stark. Also noch mal richtig segeln! Unter Segeln fegt es uns fast aus der Fahrrinne, deshalb motoren wir dann doch lieber aus der Peenemündung heraus bis in etwas tiefere Gewässer. Wir müssen kreuzen. Wir begegnen unterwegs noch einigen kräftigen Schauerböen und treffen dann endlich die Paule wieder. Wir segeln noch bis ganz kurz vor der Hafeneinfahrt und bergen dann mit einem mittlerweile absolut routinierten Manöver die Segel. Zusammen mit der Paule kommen wir beim Ver-charterer an. Gemeinsam mit der Crew der Paule lassen wir den letzten Abend dieses Törns in einem Restaurant bei einem leckeren Essen ausklingen.
Traurig, dass der Törn schon zu Ende ist, aber auch froh über einen so gelungenen Segeltörn, der super viel Spaß brachte, macht sich nun jeder auf den Heimweg nach Berlin.
Lukas Mielke
18. Oktober 2007
Die Crew:
Die Paule:
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